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Autor: Rene Taunus
Erstellt: Mär 07 2010 - 07:52
Betreff: bestehende Ödeme bei Ulcus cruris
Guten Abend liebe Kollegen,
ich betreue seit 4 Wochen einen Patienten mit Wundheilungsstörungen am Unterschenkel bei Z.n. Meshkraft,pAVK und Venenschwäche.
Seit ca. 7 Tagen lagert der Patient ödematös in den Beinen ein.
Als ich bemerkte das sich ein Ödem bildet schickte ich die Patientin in die Gefäßabteilung.
Der Gefäßstatus ergab das die Fußpulse nicht tastbar, aber gut dopplerbar sind und die Venenklappen nicht mehr funktionieren.
Ich bekam die Anordnung unter der Modernen Wundversorgung eine moderaten Kompression durchzuführen. Bis dahin konnte man fast täglich die Verbände neu anlegen da sich aus dem Defekt das ganze Lymphwasser aus dem betroffenen Bein drückte.
Der Patient toleriert meinen Kompressionsverband sehr gut. Aber der Defekt verschlechtert sich minimal bei jedem VW alle 2 Tage.
Was mich sehr stört ist die starke Mazeration trotz sekundärer PU Schaumverbänden. Ich habe nun(heute) sekundär umgestellt auf Superabsorber. Da der Patient eine pAVK hat kann ich ja nicht so wickeln nach Pütter wie ich es gelernt habe. Also TG Schlauchverband, Cellona Watte, dann Pütterbinden locker drum.
Nun muss ich abwarten ob ich das Bein so entstaut bekomme. Vielleicht würde es auch Sinn machen etwas entwässerndes geben zu lassen (durch den Hausarzt).
Warum ich hier schreibe ist***Hat jemand von euch schon so eine Situation erlebt und kann mir Tipps geben***.
Ich denke mehr als das was ich gerade tuhe kann ich meinerseits nicht tun, bin aber für jede Anregung dankbar.
Grüße
aus dem Taunus
Autor: Ivonne
Erstellt: Mär 07 2010 - 09:12
Betreff: re: bestehende Ödeme bei Ulcus cruris
Autor: mk
Erstellt: Mär 08 2010 - 09:37
Betreff: re: bestehende Ödeme bei Ulcus cruris
Hallo Rene´, hallo Ivonne,
ja, das ist Wundmanagement?! Aber nun mal der Reihe nach! Erste Frage, die ich mir bei deiner Beschreibung stelle, ist, woher stammen die Ödeme? Es gibt so aus dem Stehgreif gleich mal drei bis vier mögliche Ursachen: 1. vaskulär (venös), 2. lymphatisch, 3. kardial, 4. Entzündung/ Infektion! Da die erste schon verdächtig erscheint, das ursächlich eine venöse Stauung vorliegt, muss natürlich Kompression erfolgen. Dazu später mehr. Die zweite Ursache Lymphatisch ergibt sich ja aus deiner Beschreibug, das aus der Wunde Lymphe sezerniert. Das bedeutet, das auch hier Ursachentherapie erfolgen muss! Lymphdrainage ist hier also unerläßlich! Die dritte Ursache gilt es auf jeden Fall auszuschließen. Ist eine kardiale Ursache ausgeschlossen, muss zusätzlich jedoch ein Ausschluß einer Gefährdung durch die Entstauungstherapie erfolgen, sofern eine kardiale Insuffizienz vorliegt. D.h. das eine kardiale Dekompensation durch Kompression nicht erfolgen (wird).
Zur Kompression ist zu sagen, das eine Anordnung einer moderaten Kompressionstherapie als obsulet anzusehen ist. Was heißt das? Moderate Kompression? Hier kann nur eine Verordnung eines Kompressionsstrumpfes mit Festlegung der Kompressionsklasse als akzeptabel angesehen werden! Dazu sollte eigentlich ein gefäßchirurgisches Konsil dienen.
Die medikamentöse Entwässerung würde ich nur dann in Betracht ziehen, wenn alle anderen Ursachen ausgeschlossen sind.
Vielleicht hilft ein Wundabstrich zur Differenzierung einer Infektion oder einer Entzündungsreaktion, welche dann auch behandelt werden sollte.
Weiterhin muss als Mazerationsschutz ein effektiver Hautschutzfilm empfohlen werden. Möglich wäre eine Folie als Schutz oder auch Cavilon reizfreier Hautschutz.
Ich hoffe, ich konnte ein paar Anregungen geben!
Laß doch einfach mal wissen, wie dein Fall weitergegangen ist.
MfG Manfred Kunkel
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Autor: Rene aus dem Taunus
Erstellt: Mär 09 2010 - 03:08
Betreff: re: re: bestehende Ödeme bei Ulcus cruris
Hallo Manfred!
Ich habe heute die Wunde erneut versorgt und musste feststellen dass das Bein wieder rank und schlank ist. Also hat es sich gelohnt den modifizierten Pütterverband bei geringer pAVK anzulegen.
Der Patient ist Dement und hat laut Akte eine kardiale Vorgeschichte. Vasculär steht es auch nicht gut laut Arzt.
Also denke ich wird es das Problem sein. Allerdings streubt sich der Angehörige den Hausarzt einzuschalten da ich ja da bin. Man will nicht verstehen das ich Krankenpfleger bin und mich speziell um die Wundversorgung kümmere. Der Kontakt mit dem Hausarzt wird gerade hergestellt. Aber nicht auf Wunsch der Angehörigen. Der Patient selbst möchte die Wunde zubekommen kann aber aufgrund seiner Demenz sich nicht gegenüber seinen Angehörigen durchsetzen.
Ich verstehe einen Deiner Sätze nicht ganz***Ist eine kardiale Ursache ausgeschlossen, muss zusätzlich ein Ausschluß einer Gefährdung durch die Entstauungstherapie erfolgen***???
Der Arzt im Krankenhaus (Wundsprechstunde) hatte anfangs eine Kompression der Klasse 2 vorgesehen die der Patient abgelehnt hatte, mit den Worten das er damit nicht zurecht käme. Letztlich ist es auch so. Der Angehörige ist selbst sehr alt und hatte erst vor kurzem einen kleinen Schlaganfall und der Patient selbst bekäme die Strümpfe nicht an geschweige denn aus. Einen Pflegedienst lassen sie so nicht an die Wunde bzw. Beine. Also eine Versorgung gestaltet sich hier sehr schwierig. Ich bin dann mit dem Arzt so verblieben das ich eine moderate Kompression bis zum Wundverschluss durchführe und dann den Patienten davon überzeuge das es sinnvoll ist, den Pflegedienst damit zu beauftragen die Kompression mittels Strümpfe sicher zu stellen.
Ich denke das wird mir gelingen. Nun stimmt mich Dein Satz, das hier eine moderate Kompression mittels Kurzzugbinden obsolet ist sehr nachdenklich!
Aber eine andere Idee bleibt mir nicht,oder???
Ich schütze das Areal um den Defekt immer mit Cavilon Hautschutz. Die Mazerationen ergaben sich durch das Ödem. Der Patient hat auch einen Defekt an der Ferse das wunderbar heilt und mir weniger Sorgen macht als gedacht.
Autor: mk
Erstellt: Mär 10 2010 - 08:59
Betreff: re: bestehende Ödeme bei Ulcus cruris
Guten Morgen Rene´,
ich muss mich entschuldigen, das ich mich nicht konkret genug ausgedrückt habe, was die "moderate Kompressionstherapie" betrifft. Ich versuche es nochmal genauer zu sagen: Ich wollte nicht die Kompression nach Pütter an sich in Frage stellen, sondern die Anordnung als Wortlaut! Der Kompressionsverband muss selbstverständlich weiterhin praktiziert werden und ist eine hervorragende therapeutische Maßnahme bei Ödemen. Was ich sagen wollte, ist, das die Anordnung einer moderaten Kompression forensisch nicht sicher ist! Als Pflegepersonal haben wir (spitz gesagt) derzeit nur eine ausführende Funktion. Sollte also durch unsere Interpretation der "moderaten Kompression" ein, bspw. durch die pAVK bedingter, Schaden entstehen, ist die haftungsrechtliche Frage ungeklärt! Ich hoffe, ich konnte die Frage jetzt etwas entwirren.
Nun zur Frage "kardiale Ursache ausgeschlossen": Ein "plötzlich" auftretendes Ödem ist immer sofort zu hinterfragen! Vor allem dann, wenn es an beiden unteren Extremitäten manifestiert ist. Hier können natürlich akute lokale Prozesse wie Thrombosen, Lymphabflussstörungen etc. ursächlich sein. Aber auch kardial bedingte Ödeme sind in den Beinen vorrangig manifestiert und können Ausdruck einer beginnenden kardialen Dekompensation sein. Wenn nun jedoch keine kardiale Insuffizienz bekannt ist, aber ausgeprägte Ödeme anderer Ursachen "rauskompremiert" werden, kann es in diesem Rahmen zu einer kardialen Insuffizienz kommen. Soll heissen, das mit dem Anstieg des intravasalen Volumens eine vermehrte Belastung des Herzens auftritt. Dies ist zu bedenken, denn Ödeme werden ja leider immer erst dann sichtbar, wenn eine gewisse Kapazität des Gewebes ausgereizt ist. Zu dieser (Rechts-)Herzbelastung kommt es, weil der Lymphkreislauf ja im linken Venenwinkel der V. subclavia sinsiter und somit kurz vor dem Herzen in den Blutkreislauf mündet. Der Lymphkreislauf beginnt interstitiell, also dort, wo die Ödeme "sich aufhalten". Also belasten wir die "Pumpe" nun zusätzlich akut mit mehr Volumen, wenn wir interstitielle Flüssigkeit = Lymphe da "rausquetschen", was wir ja wollen und auch müssen! Darin besteht die Gefahr und die sollte ausgeschlossen werden.
Ich danke dir, für deinen Hinweis. Ich werde mich bemühen, zukünftig noch präzisere Aussagen zu machen! Demnach möchte ich mich nochmals bei dir entschuldigen. Mein Eintrag sollte kein persönlicher Angriff auf dich und die Therapie sein, sondern lediglich ein Aufhorchzeichen bei ungenauen Anordungen darstellen.
Mit freundlichen Grüßen
Manfred Kunkel
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